Überzeugungen

Vom Gründer der Toastmasters, Ralf Smedley, gibt es einen Artikel, der die Ziele von Toastmasters prägnant zusammenfasst. Obwohl schon über 50 Jahre alt, hat dieser Text immer noch seine Gültigkeit.

Die folgenden Gedanken vom Toastmaster-Gründer Dr. Ralph C. Smedley sind 1948 im Toastmaster Magazin veröffentlicht worden. Der Text ist zwar etwas altmodisch, man könnte fast sagen schwülstig, aber er drückt sehr motivierend aus, worum es bei den Toastmastern geht: Den freien Ausdruck der eigenen Gedanken und Überzeugungen. Es geht um die persönliche Freiheit – und die Fähigkeit! – zu sagen, was man selbst für richtig hält, ohne sich irgendeiner Weltanschauung, politischen Richtung oder Religion verpflichtet zu fühlen.

Was wir für wahr halten

Nach Ralph C. Smedley

Ein Toastmaster Club ist keine Propagandaorganisation. Er übernimmt keine Resolutionen, sponsert keine Kandidaten und unterstützt keine Botschaften. Er kann seine Mitglieder nicht zur Unterstützung einer umstrittenen Frage bringen, denn seine Mitglieder kommen aus allen Gruppen der Gesellschaft, und eine einheitliche Meinung ist weder erwartbar noch erwünscht. In jedem Club sind unterschiedliche Gruppen vertreten – gesellschaftlich, politisch, religiös, ethnisch oder beruflich. Der Club ist ein Querschnitt der Gesellschaft.

Ein Toastmaster Club ist in erster Linie eine Trainingsorganisation. Er heißt Menschen jeder Anschauung als Mitglied willkommen und strebt an, sie zum logischen Denken und ehrlichen Sprechen zu bringen – für jede Botschaft und jedes Verhalten, an das sie jeweils glauben. Die Arbeit eines Toastmasterklubs hilft jedem Mitglied darin, seine bestes Selbst zu finden, als Mitglied der Gesellschaft und als Vorkämpfer für die Dinge, die er selbst für erstrebenswert ansieht.

In jedem Toastmasterclub gibt es einige Prinzipien, die nicht in Frage gestellt werden. Das ist wie bei den amerikanischen Gründervätern des Jahres 1776, für die einige Wahrheiten selbsterklärend waren und damit nicht in Frage gestellt wurden. Nur dass unsere Liste von Wahrheiten etwas von der Liste der Gründerväter abweicht.

  • Wir glauben, dass jeder Mensch das Recht auf die Freiheit seiner Gedanken hat und auch das Recht auf freie Rede. Er muss die Möglichkeit haben - nein, unterstützt darin werden - zu lernen, zu erfahren, zu denken und zu eigenen Schlüssen zu kommen.
  • Jeder Mensch, der denkt, hat auch das Recht der Rede. Aber seine Zuhörer haben das Recht, von ihm zu verlangen, dass er sich verständlich, vernünftig und ehrlich ausdrückt, wenn er von ihnen erwartet, dass sie zuhören.
  • Jeder Mensch, der seine eigenen Gedanken spricht, hat ein Recht darauf, gehört zu werden. Sein Recht gehört zu werden, hängt damit zusammen, wie gut er sich seine Botschaft überlegt hat, und wir gut er diese Gedanken vorbringt.
  • Jeder Mensch, der gesprochen hat, hat auch ein Recht, anderen zuzuhören. Er muss mit einem offenen Geist zuhören, mit einer kritischen Einstellung und dem Ziel, zu akzeptieren was wahr ist, und abzulehnen, was falsch ist.
  • Jeder Mensch hat das Recht, mit dem was andere sagen, nicht einverstanden zu sein, aber er muss lernen, anderer Meinung zu sein, ohne zu verletzen - seinem Gegenüber ruhig zuzuhören und dabei weder seine Fassung noch sein Gleichgewicht zu verlieren.
  • Schließlich hat jeder Mensch das Recht, seine Gedanken, seine Ideen und Überzeugungen mit jedermann zu teilen, der zuhört. Aber niemand hat das Recht, seine Meinungen irgend jemandem aufzuzwingen, der sie nicht akzeptiert, oder ihn zu zwingen, sich seinem Willen zu unterwerfen.

Ich schließe mich der Definition der persönlichen Freiheit an, die Dr. George Pinckard gegeben hat, ein englischer Gelehrter des 18. Jahrhunderts:

Freiheit ist das Recht jedes menschlichen Wesens, sobald es die Luft des Lebens atmet. Kein menschliches Gesetz kann ihm dieses Recht vorenthalten, das er aus dem Gesetz der Natur nimmt. Wirkliche Freiheit besteht aus dem Vorrecht, unsere eigenen Rechte zu genießen, nicht die Rechte anderer zu stören.

Und Canon Farrar, ein anderer berühmter Engländer, drückte es mit den folgenden Worten aus: Die Freiheit des Menschen endet, und sie sollte auch enden, wenn diese Freiheit der Fluch von anderen wird.

Ein Toastmasters Club steht für die Integrität des einzelnen, für die Unantastbarkeit des menschlichen Wesens und für das Recht eines jeden sich auszudrücken. aber immer mit der ewigen und unveränderbaren Regel: Dass Deine Reche unverletzlich sind und auch meine. Deine persönlichen Rechte sind begrenzt, sobald sie meine Rechte einschränken. Jedermann muss anerkennen, dass individuelle Rechte durch Rechte der anderen begrenzt werden.

Dies ist der Grundgedanke des Ideals der persönlichen Freiheit. Das ist es, was ein Toastmasterklub, letzten Endes, mit Stolz darstellt und unterstützt.

Als kleiner Gedankenanstoß sei noch angefügt, das Toastmasters 1948, als dieser Text entstand, nur männliche Mitglieder hatte. Es ist also keineswegs so, dass die Organisation damals wesentlich freier und gerechter war als heute. Was hier formuliert wird, sind Ideale, die immer angestrebt aber nicht unbedingt erreicht werden.

Copyright note: Dieser Text wurde von Paul Königer aus dem Englischen übersetzt und bleibt so nah wie möglich am Original. Es handelt sich um keine von Toastmasters International autorisierte Übersetzung.