Gebrauch von Notizen

Vom richtigen Gebrauch von Notizen

Aufbereitet von Dr. Dirk Husfeld.

[ Die Anregung zu diesem Beitrag stammt aus dem "The Toastmaster"-Magazin, Juni 2000.]

Das Grundlagenhandbuch,

mit dem alle Toastmaster zu arbeiten beginnen, fordert schon in den ersten Redeprojekten die Sprecher auf, den Gebrauch von Notizen beim Reden einzuschränken, vielleicht sogar überhaupt ohne Notizen auszukommen. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, daß es erstrebenswert und ein Wert an sich sei, alle Reden ohne Unterstützung durch Notizen zu halten. In der oben genannten Ausgabe von "The Toastmaster" führen aber zwei Autoren eine Reihe von Gründen an, warum dieser Standpunkt überzogen ist.

Anand Raman, CTM

stellt in dem Artikel auf Seite 15 sechs "Bemerkungen zu Notizen" zusammen:

1. Der Nutzen überwiegt den Schaden.
Viele ausgezeichnete Redner benutzen Notizen, und dennoch ist das Ergebnis sehr überzeugend. Eine nennenswerte Beeinträchtigung der Redewirkung tritt nur ein, wenn Notizen falsch verwendet werden.

2. Notizen erlauben die Konzentration auf wichtigere Dinge.
Sie entlasten das Gedächtnis, so daß mehr Aufmerksamkeit auf die effektive Präsentation der Ideen und auf einen Dialog mit dem Publikum gerichtet werden kann.

3. Notizen zeigen Vorbereitung an.
Nur wer sich als Vortragender vorher mit der Grundstruktur der Rede beschäftigt hat, kann sich Notizen anfertigen. Damit ist ein Mindestmaß an bewußter Auseinandersetzung mit dem Stoff und Gliederung des Vortrags gegeben. Andererseits erleichtern die Notizen das Befolgen der Gliederung währends des Vortrags.

4. Notizen wirken beruhigend.
Diese Aussage gilt zunächst für den Redner, der der Sorge ums Vergessen wichtiger Punkte oder der Gliederung entledigt ist. Aber auch das Publikum blickt häufig zuversichtlicher auf einen Sprecher, der einem vorgegebenen Weg folgt und offenbar nicht improvisieren will.

5. Notizen können vielgestaltig sein.
Auch Requisiten und Hilfsmittel, übersichtlich auf einem Tisch ausgebreitet, können als Erinnerungsstütze dienen. Sogar Notizzettel mit Wörtern darauf können bewußt und offensichtlich als Arbeitsmittel dienen und brauchen nicht versteckt zu werden.

6. Nur gut vorbereitete Notizen sind effektiv.
Ihren schlechten Ruf verdanken Redenotizen vermutlich solchen Reden, die mit schlecht vorbereiteten Notizen gehalten wurden. Eine schlechte Vorbereitung zeigt sich zum Beispiel in der Verwendung des gesamten Redetexts als Notiz. Der Vortrag verkommt damit zur Lesung. Gute Notizen beschränken sich auf die wichtigsten Stichworte, die der Redner mit einem kurzen Blick erfassen kann. Auch zu klein beschriebene und unleserliche Notizzettel sind Anlaß zu Problemen, während der gut brauchbare Zettel wenige, aber

groß geschriebene Wörter enthält.

Joseph Copestakes, CTM

integriert den Gebrauch von Notizen in die Körpersprache. Das Halten, Fassen und Loslassen von Notizen sind offensichtlich Gebärden, die sich bewußt und zielgerichtet einsetzen lassen. Er gibt dafür die folgenden Beispiele:

  • Das Ablegen der Notizen auf dem Rednerpult macht klar, daß der Redner vorbereitet ist, und signalisiert den Willen zu einem geordneten Vorgehen.
  • Der vergewissernde Blick in die Notizen macht deutlich, daß der Redner um Präzision bemüht ist (zum Beispiel bei einem Zitat). Dieser Blick kann kurz und prüfend sein, aber auch ein bewußtes Verweilen auf einem Satz oder Absatz darstellen.
  • Das erkennbare Umblättern einer Seite beendet einen Abschnitt der Rede und leitet den nächsten Abschnitt ein.
  • Das Zusammensammeln der Notizen zeigt dem Publikum, daß der Vortrag dem Ende zugeht.

[Dieses ist ein Beitrag aus der Ausgabe 10/2000 des "Wortsplitter", des Mitteilungsblatt der Münchner Brainstormer.]