Drei Redeprojekte
Drei Redeprojekte
Vorgestellt von Paul Königer Der Artikel nimmt Bezug auf das alte Grundlagenhandbuch, das 2005 durch ein neues abgelöst wurde.
Wie überall, sind auch beim öffentlichen Sprechen die ersten Schritte am schwierigsten. Die ersten drei Projekte aus dem Anfängerhandbuch bieten so etwas wie einen Mikrokosmos der freien Rede - sie stellen nacheinander die drei elementaren Fertigkeiten in den Mittelpunkt, auf die es bei JEDER Rede ankommt, auch der professionellsten.
Meine Erfahrung nach zwei Jahren im ersten deutschsprachigen Toastmaster-Club Europas sagt mir, dass gerade das zweite Projekt "Speak with Sincerity" der Schlüssel zum erfolgreichen Einstieg in eine Toastmaster-Karriere ist.
Die drei ersten Projekte des Grundlagenhandbuchs schulen die drei wichtigsten Fertigkeiten des öffentlichen Sprechens überhaupt.
Der Icebreaker
Hier geht es darum, zum ersten Mal die grundlegende Angst zu überwinden, die jeder vor der öffentlichen Rede empfindet. Es gibt keinen Menschen, dem es nicht zunächst Unbehagen bereitet, wenn lauter interessierte Augenpaare auf ihm ruhen und er das Podium ganz für sich allein hat. Es ist völlig normal, dass man vor dieser Situation gehörig Respekt hat. Beim Icebreaker ist es deshalb auch nicht wichtig, besonders souverän, geschliffen oder durchgeplant zu sprechen. Es geht wirklich nur darum, die Schwelle der Redeangst zum ersten Mal zu überwinden.
Der Icebreaker ist das einzige Projekt, bei dem der Inhalt vorgegeben ist: Man soll sich vorstellen, etwas über sich selbst zu erzählen. Schließlich will die Gruppe der anderen Tostmasters ihr neues Clubmitglied kennen lernen. Dies macht die Wahl des Redethemas ausgesprochen einfach - über sich selbst hat jeder etwas zu sagen.
Speak with Sincerity
Dieses ist aus meiner Sicht das wichtigste Redeprojekt der gesamten Ausbildung. Sincerity ist nicht ganz einfach zu übersetzen. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass dieses Projekt deshalb des öfteren mißverstanden wird und die Redeaufgabe nur in wenigen Fällen wirklich erfüllt wird.
Sincerity heißt zwar auch Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit, gemeint ist hier aber Aufrichtigkeit: Aufrichtigkeit, über Dinge zu sprechen, die einen persönlich unmittelbar betreffen. Das können ganz triviale Dinge sein. Man könnte sich z.B über Hundekot auf der Straße, über rücksichtslose Raucher, über die globale Umweltverschmutzung, über die Steuerpläne der Regierung aufregen oder man könnte über einen eigenen großen Erfolg oder seine Urlaubserlebnisse erzählen, wenn die Begeisterung noch lebendig ist. Jedes Thema ist recht, so lange man sich im Freundeskreis darüber in Rage reden kann oder sonstwie stark damit verbunden ist.
Aufrichtigkeit meint hier also das Anzapfen der eigenen Erfahrungen und Überzeugungen. Jeder erfolgreiche Redner ist in diesem Sinne aufrichtig: Nur wer von etwas spricht, das in einem selbst brennt, wird einen Funken zu den anderen überspringen lassen können.
Organize your Speech
Dieses Projekt schließt die Triade der Anfangsprojekte ab. Es ist kein Zufall, dass die Organisation der Rede erst an dritter Stelle kommt. Davor liegen beiden wichtigeren Aufgaben: Zuerst einmal geht es darum, überhaupt am Prodium zu überleben, und dann geht es daraum, wirklich seine Gedanken und Überzeugen auszusprechen.
Erst im dritten Projekt fangen wir damit, das Ganze logisch zu gliedern und mit einer rationalen Struktur zu versehen. Das fällt uns Deutschen immer am leichtesten. Organisieren, Planen, Strukturieren, das können wir. Und das ist auch gut so, ohne Organisation kann keine Rede erfolgreich sein. Eine gute Struktur macht aber noch lange keine gute Rede. Gerade die Fertigkeiten, die in den ersten beiden Projekten geschult werden, sind diejenigen, die uns langfristig den größten Redeerfolg bringen werden.
Die dritte Rede ist unser Heimspiel. Die erste ist der manchmal schwierige Anfang - und die zweite Rede verdient unsere größte Aufmerksamkeit.

